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DAWINCI - Trainingskonzepte für die Zukunft
Entwicklung moderner Ausbildungskonzepte in der Chemischen Industrie

Dass das Hans-Böckler-Berufskolleg führend in der Ausbildung für die Chemieberufe ist, hat sich nicht nur in der Region herumgesprochen. So kam es, dass eine Anfrage zur Mitarbeit in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt 2009 auf den Tisch geflattert kam. DAWINCI lautet der Titel und es ist kein Schreibfehler.

DAWINCI steht für Durchlässigkeit in der Aus- und Weiterbildung in der Chemischen Industrie oder vereinfacht ausgedrückt: Was du einmal gelernt hast, brauchst du kein zweites Mal lernen, wenn du dich weiterbildest, um die Karriereleiter emporzusteigen. Doppelungen, wie sie zurzeit noch vorkommen, sollen vermieden werden. In diesem Forschungsprojekt fanden sich die Großen der Chemischen Industrie, vertreten durch die Ausbildungsabteilungen von Evonik, die Infracor GmbH sowie Provadis und IPW (Industriepark-Wolfgang) zusammen. Weitere Partner im Projekt sind der Fort-und Weiterbildungsträger Creos GmbH sowie der Chemkom e.V. und die Universität Paderborn, die das Projekt u.a. wissenschaftlich begleiten. Mitarbeiter des Chemkom e.V. am Hans-Böckler-Berufskolleg, die bei der Entwicklung und Umsetzung dieses Projektes mitarbeiten, sind Dr. Karl-Heinz Brühl, Hannelore Lojewsky und Lore Voß. Konkret geht es um die Entwicklung von webbasierten Trainingseinheiten, die jederzeit von Auszubildenden und Studierenden abgerufen und zur Weiterqualifizierung verwendet werden können. Der Chemkom e.V. entwickelt hier Lerninhalte für die Bioverfahrenstechnik, die in der Ausbildung der Chemikanten, Chemielaboranten, Techniker der Fachrichtung Labor- und Betriebstechnik, Industriemeister Chemie und sogar in der Bachelorausbildung eingesetzt werden sollen. Am Beispiel des Modell-organismus Yarrowia lipolytica und der Citronensäurefermentation werden die Inhalte vermittelt. Erste Fachhochschulen interessieren sich bereits für die bisher entwickelten Lernmodule.

Was hat dies jedoch mit Durchlässigkeit zu tun?

Am Anfang des Projektes stand das Durchforsten der Lehr- und Ausbildungspläne für die Chemieberufe. Das Heinz-Nixdorf-Institut und das Institut für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Paderborn arbeiten Hand in Hand. Die Aufgabe des Heinz-Nixdorf-Instituts ist es, ein e-Portfolio zu entwickeln. Eine Art elektronische Personalakte, die sämtliche Bildungsleistungen speichert. Um eine automatische Qualifizierung zu ermöglichen, entwickelt das Institut für Arbeits- und Organisationspsychologie einen Bewertungsmaßstab, der sich nach den Vorgaben des europäischen und deutschen Qualitätsrahmenplans richtet. Jeder Lerneinheit werden dabei Qualifikationsniveaus zugeordnet. An Prüfungen wie Klausuren, Colloquien und andere Leistungstests kommt man auch hier letztlich nicht vorbei. Bei erfolgreicher Bearbeitung soll das Ergebnis direkt dem Lernenden in seiner beruflichen Biografie, in seinem E-Portfolio, zugeordnet werden. So kann der oder die Lernende sich nach und nach neben seiner/ihrer beruflichen Tätigkeit weiterbilden und erreicht höhere Qualifikationsstufen. Neben den webbasierten Inhalten gehören auch Praktika und Seminare zum Bouquet der Qualifizierungsmaßnahmen. Sind alle benötigten Qualifizierungsstufen erreicht, kann man sich zur Abschlussprüfung anmelden. So hat der und die Lernende jederzeit seine/ihre berufliche Entwicklung im Blick und kann Redundanzen vermeiden. Ein weiterer Vorteil liegt in der Flexibilisierung der Aus- und Weiterbildung, das Lerntempo kann individuell angepasst werden.

Schule am Ende?

Wer jetzt jedoch denkt, das System Schule hätte damit ausgedient, der irrt. Neben der reinen Stoffvermittlung sind Teamarbeit und Know how am Arbeitsmarkt gefragt. Durch die modulare Gestaltung der webbasierten Trainingseinheiten und des entsprechenden Praktikums bieten sich vielfältige Verzahnungs- und Einsatzmöglichkeiten des Moduls Bioverfahrenstechnik. Lerninhalte müssen weiter von qualifizierten Ausbildern entwickelt und Seminare und Praktika durchgeführt werden. Es ändert sich also etwas und das Hans-Böckler-Berufskolleg und sein Weiterbildungsträger Chemkom e.V. sind mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorne mit dabei.

Autor:
Dr. Karl-Heinz Brühl

LiA am Hans-Böckler-Berufskolleg in Marl und unterrichtet die Fächer Biologie und Chemie. Promotion am Institut für Mikrobiologie der Heinrich Heine Universität Düsseldorf. Veröffentlichungen im Rahmen von: "E-Learning-Services im Spannungsfeld von Pädagogik, Ökonomie und Technologie. Lebenslanges Lernen im Bildungsnetzwerk der Zukunft".

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