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Knut, Grisu und junge Forscher - Naturwissenschaftliche Frühförderung für Kinder

Manche der Lehrer/innen wundern sich schon bei ihrem Gang durch die Pausenhalle, wenn plötzlich eine kleine Schar Vorschulkinder begleitet von in weißen Kitteln gekleideten Schüler/innen ihren Weg kreuzten. Ab und zu blieb auch eine Kollegin bzw. ein Kollege stehen, um dem Begrüßungslied zu lauschen. Spätestens da war ihnen klar: Es waren mal wieder kleine Gäste mit ihren Erzieher/innen zu Besuch, die an einem Forscherprojekt im naturwissenschaftlichen Frühförderzentrum des Hans-Böckler- Berufskollegs teilnehmen wollen.

Dieses befindet sich im Keller des Hans-Böckler-Berufskollegs neben dem Kunst- und Werkraum und wird von den angehenden Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen regelmäßig genutzt, um naturwissenschaftliche Versuche mit Kindergartenkindern oder Grundschulkindern anzuleiten. Das naturwissenschaftliche Frühförderzentrum ist ein multifunktionaler Raum, der sowohl als Unterrichtsraum für Biologie genutzt wird als auch ein „Labor für Kinder“ beinhaltet. Dort gibt es kindgerechte Regale, Waschbecken, Tische und Stühle, an denen Kinder experimentieren dürfen.

Die letzte Forschereinheit wurde von der Oberstufe der Kinderpfleger/innen zum Thema Feuer dort durchgeführt und sollte den Vorschulkindern aus dem Kindergarten St. Michael zum einen Interesse an den Naturwissenschaften wecken und zum anderen den sicheren Umgang mit dem Element Feuer vermitteln. Das war gar nicht so einfach, da die Experimente viel Disziplin erforderten und besonders die feinmotorischen Fähigkeiten gefragt waren. Dabei stieß so manch ein „Zappelphilipp“ an seine Grenze. Außerdem bedarf es verständlicherweise bei Experimenten mit Feuer besonderer Sicherheitsvorkehrungen. So war unsere Oberstufe der Kinderpflegerinnen (KiO) sehr gefordert und hatte viel zu tun, 12 Kinder zu betreuen und anzuleiten. Geschickt haben sie es geschafft, die Kinder zunächst mit einer Geschichte von Grisu, dem Feuer-drachen, der als Stofftier auftrat, zu fesseln und die verschiedenen Feuerprüfungen, die Grisu bestehen musste, in Form von Experimenten einfließen zu lassen. Jede Woche wurde diese Geschichte weitergesponnen und eine nächste „Feuerprüfung“ z.B. herauszufinden, welche Materialien brennen oder einen Feuerlöscher zu bauen, stand an. Außerordentlich konzentriert und begeistert haben die Kinder die Experimente durchgeführt und Eigenschaften von Feuer kennengelernt. Selbst die zu Beginn ängstlichen Kinder haben sich dem Element angenähert und konnten zum Schluss eine Kerze mit dem Streichholz sicher und selbstständig entzünden und diese dann löschen. Schließlich hat Grisu mit Hilfe der Kinder und vor allen Dingen durch die gute Arbeit der KiO alle seine „Feuerprüfungen“ bestanden.

Das naturwissenschaftliche Frühförderzentrum wird seit der Fertigstellung im Jahre 2009 genutzt, um Vorschulkinder und Grundschulkinder an naturwissenschaftliche Phänomene experimentell und spielerisch heranzuführen und sie für diese Thematik zu begeistern. Die Ausstattung ermöglicht es zu verschiedenen naturwissenschaftlichen Themen zu forschen. Dabei werden Physik, Chemie und Biologie und sogar auch Mathematik berücksichtigt.

Mittlerweile hat das Thema der naturwissenschaftlichen Frühförderung einen immer größeren Stellenwert in der vorschulischen Bildung eingenommen. Zunächst wurde es im nordrhein-westfälischen Kindergarten Bildungsgesetz verankert und fand dann auch Einzug in die Lehrplänen der Berufsfachschule für Kinderpflege sowie der Fachschule für Sozialpädagogik. Durch die frühkindliche Förderung sollen die Bildungschancen von Kindern im naturwissenschaftlich-mathematischen Bereich verbessert werden. Deswegen haben auch bereits viele Kindergärten kleine Forscherecken eingerichtet. Diese sind jedoch oft winzige, abgetrennte Bereiche vom Gruppenraum. Außerdem besteht noch ein recht hoher Bedarf an der Fortbildung der pädagogischen Fachkräfte in diesem Bereich. Dazu ist das HBBK eine Kooperation mit einem lokalen Netzwerk der bundesweiten Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ eingegangen. Regelmäßig steht der Stiftung der Raum zur Verfügung und wird gerne für Fortbildungen benutzt. Die Erzieherklassen bieten auch verschiedene Veranstaltungen an, die gebucht werden können. KNUT steht für „Kinder erforschen Natur und Technik und ist ein offenes Angebot für junge Bürger und Bürgerinnen der Stadt Marl in einem Forscher-Labor speziell für Kinder, die Naturwissenschaften praktisch zu erleben wollen und selbst aktiv zu sein. Gemeinsam mit anderen Kindern können sie zu unterschiedlichen Themen forschen und experimentieren. Wer neugierig ist und gerne unterschiedliche Dinge ausprobiert, ist hier an richtiger Stelle. Die Kurse werden für Kinder im Vor- und Grundschulalter nach Terminvereinbarung angeboten. Die Gruppengröße liegt bei 8-16 Kindern.

Autorin:
Uta Witzel, OStR’

Unterrichtet Biologie und Englisch am Hans-Böckler-Berufskolleg. Sie koordiniert den Bildungsgang Berufsfachschule für Kinderpflege und ist im Beratungsteam tätig.

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Naturwissenschaftliche Frühförderung am HBBK (Fotos: Lars Manteuffel)