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Biologisch und umweltbewusst

Die Naturwissenschaftler in Gummistiefeln haben Zuwachs erhalten: neben den angehenden biologisch-technischen AssistentInnen (BTA), tummeln sich jetzt auch UTAs, umwelttechnische AssistentInnen, in den heimischen Gewässern rund um unser Hans-Böckler Berufskolleg. So wurden erst kürzlich die Klassen N-A11 a und N-A11 b sogar vom Lumbricus Umweltbus der Natur- und Umweltschutzakademie Recklinghausen bei ihrer Gewässeranalyse im Naturschutzgebiet Bachsystem Wienbach unterstützt. Aufgespürte Groppen, Köcherfliegenlarven und sogar das seltene Neunauge waren als Leittiere der Gewässergüteklassen der sichere Hinweis darauf, dass hier Naturschutz Erfolg zeigte. Die sehr gute Wasserqualität konnte dann auch mittels Sondenverfahren bestätigt werden. Und nicht zuletzt die strukturelle Untersuchung des Gewässers rundete den positiven Befund ab: alles Bestandteile der biologisch-chemischen Ausbildung beider Bildungsgänge.

Gemeinsamkeiten der beiden Bildungsgänge
Nicht nur die Fächer Mathematik, Informatik, Deutsch, Englisch, Spanisch, Religion oder Gesellschaftslehre mit Geschichte, sondern auch die späteren Leistungskursfächer Biologie und Chemie haben BTAs und UTAs gemeinsam. Beide Bildungsgänge zeichnen sich durch praxisnahe, anwendungsorientierte Labortätigkeiten aus, die die SchülerInnen in zwei schulbegleitenden Praktika verfeinern lernen. Neuerdings werden Auslandspraktika während der Erstausbildung über MOBINARDO oder nach Abschluss der Ausbildung über die Kooperation mit dem Oberstufenzentrum Lise-Meitner Berlin angeboten – eine ganz neue Erfahrung und besondere Qualifikation in späteren Bewerbungen. Diese sind dann mit Abitur möglich, denn beide Bildungsgänge haben auch dies als einzige im Bereich Naturwissenschaften und Technik gemeinsam: sie kombinieren die Ausbildung zum technischen Assistenten mit der allgemeinen Hochschulreife und können so nach drei Jahren und drei Monaten prinzipiell auch alle anderen Studiengänge aufnehmen, ganz wie sie möchten. Sie können natürlich auch direkt in biologischen oder umwelttechnischen Betrieben tätig werden.

Unterschiede der beiden Bildungsgänge
Trotz der vielen Gemeinsamkeiten beider Bildungsgänge möchte kein(e) SchülerIn von ihnen untereinander tauschen, denn ihr Ausbildungsziel haben beide Schülergruppen mit Bedacht gewählt: der BTA zielt im Schwerpunkt auf die biologischen Zusammenhänge und Analysemethoden ab. Er spezialisiert sich bereits im ersten Jahr in Mikrobiologie, daran schließt sich in den kommenden Jahren die Spezialisierung in Molekularbiologie und Biologietechnik an. Die Mikro- und Molekularbiologie sind aus dem Differenzierungsbereich, hier können wir gezielt auf den dynamischen Arbeitsmarkt reagieren und aktuelle Methoden im Bereich der Bakterien-Anreicherung und Identifikation, DNA-Isolation und Proteinanalytik von den SchülerInnen durch selbständiges Anwenden erlernen lassen, was in den modernen Laboren der Biologie, Chemie und instrumentellen Analytik des Hans-Böckler Berufskollegs auch sehr berufsorientiert möglich ist. Innerhalb der Biologie-technik erarbeiten sich die SchülerInnen in berufsbezogenen Projekten verschiedene Verfahren zur Fermentation von Mikroorgansimen mit Isolierung verschiedener Stoffwechselprodukte. Hier finden auch alle anderen technischen Umsetzungen biologischer Analysen, wie z.B. fotometrische, elektrophoretische oder chromatografische Untersuchungen ihren Platz. Durch die projektorientierte Unterrichtsgestaltung sind die SchülerInnen auf das eigenständige Arbeiten in Forschungslaboren, Prüf- und Lehranstalten gut vorbereitet. Die Vielfältigkeit des BTA reicht jedoch noch weiter bis in den mathematischen Bereich: Das dritte Standbein stellt nämlich das Fach Mathematik dar, das die BTAs vom ersten Jahr an begleitet und auch Prüfungsfach ist. Diese Vertiefung innerhalb der angewandten Mathematik unterstützt die Analysemethoden durch eine gesicherte Auswertung der Labordaten. Spätere Einsatzgebiete für BTAs befinden sich im Bereich der Lebensmittelindustrie, pharmazeutischen Industrie, Medizin, Gesundheitswesen und anderen Bereichen der Naturwissenschaften, bevorzugt der Biologie und Chemie.

Der UTA hingegen erfährt mehr den Zusammenhang zwischen allen Naturwissenschaften, was wir am Hans-Böckler Berufskolleg durch das Wahlfach Physik im Differenzierungsbereich besonders fördern. Da im Wahlfach die physikalischen Grundlagen der Umwelttechnik nach Lehrplan erarbeitet werden, haben wir im Fach Umwelttechnik ein ganzes Jahr Zeit für ein besonderes i-Tüpfelchen der Ausbildung, für das uns hier am Hans-Böckler Berufskolleg alle Materialien und Gerätschaften zur Verfügung stehen: neben der chemisch-biologischen Ausbildung mit den BTAs wird der UTA im ersten Jahr seiner Umwelttechnik zusätzlich in die instrumentelle Analytik eingeführt, die auf physikalisch-chemischen Methoden wie der Spektroskopie und der Chromatographie beruht. Damit steht ihm eine besonders breite Basis modernster Analysetechniken zur Untersuchung von Luft-, Wasser- und Bodenproben zur Verfügung – all dies zur Gewährleistung des Umweltschutzes. Einen weiteren Schwerpunkt füllt die Energiegewinnung in Jgst. 12 in der Umwelttechnik aus: hier werden die physikalischen Grundlagen von der Halbleitertechnik der Solarzellen bis zur Strömungslehre der Windkraftanlagen zur Energiegewinnung aus regenerativen Quellen erarbeitet und am Modell im Labor erprobt. Die Vielfältigkeit des UTA reicht noch weiter bis in den gesellschaftswissenschaftlichen Bereich: Das dritte Standbein stellt das Fach Wirtschaftslehre dar, das die UTAs vom ersten Jahr an begleitet und auch Prüfungsfach ist, denn Umweltschutz- wie Energieversorgungskonzepte müssen nicht nur naturwissenschaftlich, sondern auch im Umweltmanagement wirtschaftlich und rechtlich durchdacht und abgesichert sein. Knapper werdende Energieressourcen und ein verantwortungsvollerer Umgang mit der Natur zur Abwendung von Klimawandel und Umweltkatastrophen führen zur steigenden Bedeutung der UTAs auf dem Arbeitsmarkt. Die Einsatzgebiete sind wie die Ausbildung vielfältig: u.a. umweltanalytische Labore der Industrie, staatliche Untersuchungs- und Umweltämter, verwaltungsrechtliche Behörden, die Recycling-Industrie, der Bereich der Wasserver- und entsorgung oder der moderne Sektor erneuerbarer Energien.

So kommt es, dass schon heute in NRW mehr Menschen im Umweltsektor arbeiten als in der Automobilindustrie. Zu uns kommen SchülerInnen mit einem gesteigerten Umweltbewusstsein und einer festen Zielsetzung für ihre Zukunft: abwechslungsreich und voller Vielfalt eine breite Basis zu schaffen für umwelttechnisches Engagement: Eine Bereicherung unserer Schullandschaft.

Autorinnen:
Dr. Tanja Repsilber, StR’

Unterrichtet die Fächer Mathematik und Physik am Hans-Böckler-Berufskolleg und ist Koordinatorin des Bildungsgangs Umwelttechnische/r AssistentIn mit Allgemeiner Hochschulreife und Verantwortliche für das Fördervereinskonto sowie Ansprechpartnerin für Gleichstellungsfragen im Bereich Naturwissenschaft & Technik

Ursula Müller-Götz, OStR’
Unterrichtet die Fächer Biologie mit Mikrobiologie, Molekularbiologie, Biologietechnik, Chemie und Mathematik am Hans-Böckler-Berufskolleg und ist Koordinatorin des Bildungsgangs Biologisch-technische/r AssistentIn mit Allgemeiner Hochschulreife und Verantwortliche für die Koordination der Böckler Research Group sowie der Auslandspraktika im Bereich N&T. Sie ist auch Mitglied des Lehrerrates.

Artikel als PDF

Praktische Gewässeranalyse im Naturschutzgebiet Bachsystem Wienbach

Untersuchung von Wasserproben mit moderner Technik