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Mit COMENIUS nach Europa

COMENIUS ist das europäische Programm für die schulische Bildung. Mit ihm sollen innovative Wege der Zusammenarbeit und Partnerschaft schulischer Einrichtungen in Europa ermöglicht werden. Den Rechtsrahmen bildet das Programm für lebenslanges Lernen der Europäischen Union. Dieses läuft von 2007 bis 2013. Das allgemeine Ziel des Programms besteht darin, durch lebenslanges Lernen dazu beizutragen, dass sich die Europäische Union zu einer fortschrittlichen, wissensbasierten Gesellschaft mit nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung, mehr und besseren Arbeitsplätzen und größerem sozialen Zusammenhalt entwickelt. Zu diesem Zweck wurde es mit einem Budget von knapp 7 Milliarden Euro ausgestattet. Der Pädagogische Austauschdienst ist in Deutschland als Nationale Agentur für EU-Programme im Schulbereich mit der Durchführung des Programms beauftragt. Insbesondere soll das Programm den Austausch, die Zusammenarbeit und die Mobilität zwischen den Systemen der allgemeinen und beruflichen Bildung fördern, so dass sich diese zu einer weltweiten Qualitätsreferenz entwickeln.

Themen- und Partnersuche
Seit diesem Schuljahr hat das Hans-Böckler-Berufskolleg ein COMENIUS-Projekt. Schon zu Beginn des letzten Schuljahres überlegten sich Kolleginnen und Kollegen des Bildungsgangs Höhere Handelsschule eine mögliche Projektidee. Das Ergebnis war ein Thema, das die Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union zum Inhalt hatte. Mit der Vollendung des Binnenmarktes 1992 wurde dieser Grundsatz im EU-Recht verankert. Danach hat jeder Arbeitnehmer das Recht, sich in einem anderen EU-Land Arbeit zu suchen, dort zu arbeiten, ohne dass eine Arbeitserlaubnis erforderlich wäre und zu diesem Zweck auch dort zu wohnen. Selbst nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses darf man in dem Land bleiben. Die Idee für ein mögliches Projekt knüpfte an diese Regelung an. Es sollte untersucht werden, ob dieses Recht tatsächlich so einfach realisierbar ist. Bevorzugte Partnerschulen sollten in Osteuropa gesucht werden. Eine weitere Bedingung war, dass dort Deutsch als erste oder zweite Fremdsprache unterrichtet wird. Die Kollegen der Höheren Handelsschule suchten dann Partnerschulen in Europa, mit denen man gemeinsam einen entsprechenden Projektantrag formulieren kann. Es fanden sich Schulen in Bulgarien, Ungarn, Tschechien und der Türkei. Lehrerinnen und Lehrer aus Ungarn und Tschechien trafen sich zu einem vorbereitenden Treffen am HBBK im Januar. Mit den Kollegen in Bulgarien und der Türkei stand man in ständigem eMail- und Skype-Kontakt. Mitte Februar konnte der Antrag bei den Nationalen Agenturen der beteiligten Länder eingereicht werden. Inhaltlich ging es darum, dass die Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Projekts die Freizügigkeit in Europa, speziell den freien Personenverkehr im Hinblick auf die wirtschaftliche und marktbezogene Freizügigkeit in den beteiligten Ländern untersuchen. Ziele (des Projekts) sind daher die beruflichen Perspektiven der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler zu erweitern, Vorurteile abzubauen und sich Wissen über die Partnerländer anzueignen (auch auf Seiten der Lehrer).

Projektpartner koordinieren sich
Im Juli lagen die Genehmigungen für das Projekt in Deutschland, Ungarn und Tschechien vor. Bulgarien und Türkei konnten sich leider nicht beteiligen, da sie im nationalen Ranking nicht auf einen förderfähigen Platz kamen. Da diese Länder nun fehlten, musste das Projekt organisatorisch etwas geändert werden. Die Anzahl der Projekttreffen wurde reduziert und die Aufgaben neu zugeordnet. Alle Projektpartner haben jeweils 24 Mobilitäten beantragt. Um eine Mobilität handelt es sich, wenn eine Person, sowohl Schüler als auch Lehrer, zu einem Projekttreffen reist und wieder zurück. Das ganze COMENIUS-Projekt hat eine Dauer von zwei Jahren. Die ungarische Partnerschule liegt in Györ. Dies ist im Drei-Länder-Eck von Ungarn, Slowakei und Österreich. Die Schule heißt „Baross Gabor“ und ist eine zweisprachige Fachmittelschule für Wirtschaft. Man kann dort zum Beispiel eine Ausbildung als kaufmännische/r Sachbearbeiter/in absolvieren, vor allem aber das Abitur kombiniert mit einer Grundausbildung in Wirtschaft auf Englisch oder Deutsch erwerben. Vier Jahre lang sind die Schüler in dieser Schule. Ein Teil davon hat in diesem Zeitraum 19 Stunden Deutsch pro Woche. Viele Wirtschaftsfächer werden vollständig auf Deutsch unterrichtet. Die tschechische Partnerschule liegt in Kladno. Das ist westlich von Prag. Bei der Schule handelt es sich ebenfalls um eine berufsbildende Schule. Sie heißt „Stredni odborna skola a Stredni odborne uciliste, Kladno“. Die Schülerinnen und Schüler werden für Berufe wie Koch, Restaurantkaufmann, Schauwerbegestalter, Verkäufer, Bürokauffrau, Sozialarbeiterin, Krankenpflegerin, Postangestellte und Bankkauffrau ausgebildet. Außerdem gibt es die Möglichkeit, das tschechische Abitur abzulegen. Darüber hinaus werden auch benachteiligte Jugendliche ausgebildet. Dadurch, dass nur drei Schulen eine Genehmigung und somit die finanzielle Unterstützung der EU bekamen, sollte das erste Projekttreffen nicht in Bulgarien, sondern am Hans-Böckler-Berufskolleg in Marl durchgeführt werden. Das zweite Treffen wurde für Kladno geplant, ein drittes in Györ und das Abschlusstreffen wieder am HBBK. Auch wurde die thematische Schwerpunktarbeit der verschiedenen Treffen der veränderten Situation angepasst. Die inhaltliche Arbeit der Projekttreffen wurde bereits im Comenius-Antrag festgelegt. Davon darf auch nicht wesentlich abgewichen werden. Während jedes Treffens gibt es auch ein Begleitprogramm, das jeder Gastgeber eigenverantwortlich organisiert. Dazu gehören sowohl Betriebsbesichtigungen als auch der Besuch kultureller Stätten sowie ein Freizeitprogramm.

Das erste Treffen
In der ersten Novemberwoche war es dann soweit. In Marl wurden zehn Schülerinnen mit zwei Lehrerinnen aus Györ sowie fünf Schülerinnen und Schüler mit einer Lehrerin aus Kladno empfangen.
Eine Woche lang arbeiteten deutsche, ungarische und tschechische Schülerinnen und Schüler gemeinsam in verschiedenen Arbeitsgruppen. Eine Gruppe wurde von Christina Stratmann geleitet. Teilgenommen haben Schüler der ITM-O. Hier ging es hauptsächlich um das Entwerfen und die Entwicklung einer Website für das Projekt. Diese stellt das Hauptprodukt dar und soll am Ende alle Ergebnisse, Arbeiten, Fotos, Filme etc. enthalten, die das Projekt und dessen Fortschritt dokumentieren. Eine zweite Arbeitsgruppe wurde von Carola Köhn und Christian Lenschen geleitet. Beteiligte HBBK-Schüler kamen aus der W-FB12b. Hier erarbeiteten die Schüler Themengebiete und Fragen, mit denen im Rahmen einer Erhebung Wissen und Vorurteile, die die Schüler von den jeweils anderen beteiligten Ländern haben, abgefragt werden soll. Mit GrafStat wurde ein Fragebogen erstellt. Ein Link dorthin befand sich auf der Startseite des HBBK und konnte von allen, die über eine gültige TAN verfügten, ausgefüllt werden. Außerhalb der Arbeitsgruppen fand das Begleitprogramm statt. In diesem Zusammenhang wurden die Gäste gleich am Montag von Herrn Arndt, Bürgermeister von Marl, im Rathaus empfangen. Dieser führte die Besuchergruppe u. a. auf einen der beiden Rathaustürme, von wo aus man einen tollen Blick auf Marl hatte. Anschließend gab es eine kleine Stadtrundfahrt vorbei an architektonischen Raritäten und ungewöhnlichen Skulpturen. Am Dienstag begleitete Herr Dr. Rühl die Besucher zum Landrat Cay Süberkrüb ins Kreishaus nach Recklinghausen. Darüber hinaus enthielt das Begleitprogramm Fahrten zu Gelsenwasser in Haltern, zur Halde Hoheward, zum Bergbaumuseum, einen Besuch auf Schalke sowie zum Centro in Oberhausen. Das Freizeitprogramm enthielt Schlittschuhlaufen, Bowlen und einen gemütlichen Abend im Café del Sol.

Breite Unterstützung
Viele Kolleginnen und Kollegen unterstützten das Comenius-Treffen. So gab es z. B. Schulführungen von Ludwig Maibaum, Uschi Herzog und Karlheinz Handwerk. In der Hauswirtschaft wurden die Gäste jeden Mittag verköstigt. Leo Hansen stellte zwei Praktikanten zur Verfügung, die während des gesamten Projekts Fotos und Filmaufnahmen machten. Schülerinnen und Schüler der W-FB11a erarbeiteten bei Annika Schankat Vorschläge für ein Ausflugsprogramm. Viele fleißige Hände und kreative Köpfe entwarfen bei Alex Bozic Collegeblöcke als Gastgeschenke. Elisabeth Gutjahr erstellte mit der MAM13 kleine Wörterbücher, die wichtige Begriffe auf Englisch –Deutsch enthielten sowie typische, regionale Redewendungen. Frauke Arnold sorgte dafür, dass es bei der Verabschiedung der Gäste wunderschöne Gastgeschenke für Lehrerinnen sowie Schülerinnen und Schüler gab. Einige andere Kollegen trugen im Hintergrund mit ihrer Unterstützung ebenfalls dazu bei, dass das COMENIUS-Treffen erfolgreich war und die Gäste sich an unserer Schule wohl fühlten. Erstes Fazit
Der Weg zu einem gemeinsamen Europa ist weit, aber er lohnt sich. Multilaterale Projekte, zu denen auch unser Projekt zählt, dienen der Verbesserung und Steigerung der Mobilität von Schülern und Lehrkräften in den beteiligten Mitgliedstaaten sowie der Förderung von Partnerschaften zwischen den Schulen. Es soll das Verständnis für die Gestaltung der europäischen Integration geweckt und junge Menschen beim Erwerb entsprechender Fähigkeiten und Kompetenzen unterstützt werden. Im Vordergrund stehen dabei die persönliche Entfaltung, die Beschäftigungschancen und eine aktive Bürgerschaft. Damit dies adäquat gefördert werden kann, muss man dafür sorgen, dass Europa in der Schule erfahrbar gemacht wird. Und genau das konnte beim ersten Treffen umgesetzt werden, so dass auf die nächsten Treffen mit Spannung geblickt wird.
Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

Autorin:
Carola Köhn, OStR’

Unterrichtet Politik, Gesellschaftslehre mit Geschichte und Volkswirtschaftslehre am Hans-Böckler-Berufskolleg. Sie organisiert die Auslandspraktika und Europa-Projekte. Zudem koordiniert sie den Prozess des Hans-Böckler-Berufskollegs auf dem Weg nach Europa.

Artikel als PDF

Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich gemeinsam europäische Themen

Der Bürgermeister der Stadt Marl, Werner Arndt, empfängt alle Projektteilnehmer im Rathaus.