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Sportunterricht am Hans-Böckler-Berufskolleg - mehr als nur Ballspielen!

Das Leben und Lernen am Hans-Böckler-Berufskolleg ist geprägt durch die Förderung der Handlungskompetenz. Unser pädagogisches Ziel ist somit die Befähigung unserer Lerneden, sich „in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen sachgerecht durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten“ (KMK 2000, S. 9). Im Fach Betriebswirtschaftslehre mit Rechnungswesen werden Geschäftsprozesse unter Berücksichtigung unternehmensspezifischer Software in den Mittelpunkt gestellt, im Fach Mediengestaltung wird die Bedeutung der Medien in einer visualisierten Welt thematisiert, in der Informatik werden grundlegende Kenntnisse der Programmierung angewendet, usw. Welche Berechtigung im Hinblick auf die Förderung der Handlungskompetenz hat aber das Fach Sport? Muss dies an einem Berufskolleg überhaupt unterrichtet werden oder ist es gar überflüssig und nur ein Zeitvertreib? Dass dem nicht so ist, wird in dem folgenden Artikel beschrieben.

Die Handlungskompetenz kann im Fach Sport/ Gesundheitsförderung auf vielfältige Weise gefördert werden. Eine Besonderheit des Faches wird schon durch die Umbenennung deutlich. Das Fach ist inhaltlich nicht nur Sportunterricht im klassischen Sinne, sondern es besteht die Verpflichtung zur Integration der Gesundheitsförderung. Sowohl die heutige Arbeitswelt als auch die Gestaltung des Privatlebens sind immer mehr durch sitzende Tätigkeiten gekennzeichnet. Verkümmerte Muskulatur, Rückenbeschwerden, Entspannungsschwierigkeiten und Atemnot nach dem Transport der Wasserkästen in den 3. Stock sind, überspitzt gesagt, an der Tagesordnung. Die Sensibilisierung im Umgang mit den individuellen Ressourcen ist somit Teil des Faches Sport/ Gesundheitsförderung und trägt z.B. im Rahmen der Rückenschule einen wichtigen Beitrag dazu bei sich individuell verantwortlich zu verhalten.

Was aber genau sind die Inhalte des Faches? Die Inhalte, soviel sei an dieser Stelle schon einmal gesagt, sind zweitrangig. Es stehen somit nicht Fußball, Handball, Leichtathletik oder Tanzen auf dem Stundenplan, sondern Kompetenzbereiche. Diese Kompetenzbereiche sind der Beitrag zur Entwicklung einer Handlungskompetenz bei unseren Schülerinnen und Schülern. Insgesamt gibt es sechs Kompetenzbereiche, die ihre Ausgestaltung an verschiedenen Inhalten erfahren. Im Folgenden werden exemplarisch einige Unterrichtsvorhaben zur Förderung der Handlungskompetenz vorgestellt. Es sei anzumerken, dass die folgenden Unterrichtsvorhaben nicht nur einem Kompetenzbereich zuzuordnen sind. Es gibt oftmals Verknüpfungen zu anderen Kompetenzbereichen, was auch durchaus erwünscht ist.

Kompetenzbereich 1: Sich, den eigenen Körper und seine Umwelt (in Beruf und Alltag) wahrnehmen
Für ein Unterrichtsvorhaben in diesem Kompetenzbereich bietet sich der Einsatz des großen Trampolins an. Damit dieses im Sportunterricht genutzt werden kann, haben die Sportkolleginnen und Sportkollegen des HBBK an einer Fortbildung zum Thema "Das große Trampolin im Sportunterricht und in der psychomotorischen Entwicklungs-förderung" teilgenommen. Auf Basis dieser Fortbildung wurde für zwei Klassen ein Unterrichtsvorhaben entwickelt, in dem neben dem Aspekt der Anspannung auch die Entspannung ein wichtiges Thema ist. Das große Trampolin eignet sich ideal zur Wahrnehmungsförderung, indem man Kleingeräte wie Seile, Reifen, Hütchen, Luftballons oder ähnliches in die Unterrichtsstunden integriert.

Kompetenzbereich 2: Mit beruflichen Belastungen umgehen lernen und Ausgleichschancen wahrnehmen
Im Teilzeitbildungsgang zur Industriekauffrau/ zum Industriekaufmann bietet sich unter anderem die Umsetzung des Kompetenzbereiches zwei an. Für die Mittelstufe des dreijährigen Bildungsganges wurde das Unterrichtsvorhaben "Fit for job and life" entwickelt. Ausgehend von Belastungen der Auszubildenden in Beruf und Alltag, die zu Beginn des Unterrichtsvorhabens gesammelt wurden, wird das Unterrichtsvorhaben geplant. Augenschmerzen bei langer PC-Arbeit, Rücken- oder Nackenschmerzen bei gekrümmtem Sitzen sowie Kopfschmerzen sind gängige Antworten, die genannt werden. Um diesen Problemen vorzubeugen, sollen in Kleingruppen theoretische und praktische Ausgleichschancen erarbeitet und vorgestellt werden. Möglichkeiten zur Gymnastik am Arbeitsplatz, verschiedene Entspannungstechniken, Maßnahmen für eine ausgewogene Ernährung oder Phantasiereisen sind nur einige Beispiele, die die Auszubildenden vorgestellt und durchgeführt haben.

Kompetenzbereich 3: Sich darstellen können und Kreativität entwickeln
Gerade dieser Kompetenzbereich, wo es um die kreative Gestaltung und die Umsetzung eigener Ideen geht, ist nicht immer bei den Lernenden gleich beliebt. Positive Erfahrungen haben wir aber beim Einsatz des Rope Skipping erlebt. Schwerpunkt des Unterrichtsvorhabens ist es, dass die Lernenden verschiedene Grundsprünge kennenlernen und erarbeiten und daraus eine individuell erstellte Choreographie präsentieren. Neben kreativen und gestalterischen Aspekten werden in hohem Maße auch die Koordination und die Kondition gefördert.

Kompetenzbereich 4: In Alltag und Beruf für sich und andere Verantwortung übernehmen
Im Sportunterricht der angehenden Erzieherinnen und Erzieher bietet sich zu diesem Kompetenzbereich ein Unterrichtsvorhaben zum Abenteuer- und Erlebnissport an. Die Lernenden sollen eigene und fremde Grenzen kennenlernen und versuchen, diese zu überwinden, aber auch zu respektieren. Neben dem Vertrauen in sich und andere spielt die Kooperation eine wichtige Rolle. Hierzu werden im Verlauf des Unterrichtsvorhabens verschiedene Spielsituationen durchgeführt. Die Reflexion über das Erlebte ist hier unverzichtbar, damit man (kreative) Handlungsalternativen für den Alltag entwickeln kann.

Kompetenzbereich 5: Lernen eigenverantwortlich gestalten, sich organisieren und Leistungsentwicklung erfahren
Am Beispiel des großen Sportspiels Basketball wird im Bildungsgang der kaufmännischen Assistenten ein Unterrichtsvorhaben unter dem Motto "Lernen durch Lehren" durchgeführt. Die Lernenden erarbeiten arbeitsteilig in festen Teams die Abwehr, den Angriff sowie die Regeln des Basketballs und führen ihre Planungen mit den Mitlernenden durch. So sollen sie die Wirkungen und Gestaltungs-möglichkeiten des Feedbacks kennen lernen und im Lern- und Übungsprozess mit ihren Mitlernenden anwenden.

Kompetenzbereich 6: Miteinander kommunizieren, im Team arbeiten und aufgabenbezogen kooperieren
Der Kompetenzbereich sechs bezieht sich vor allem auf gruppendynamische Prozesse, die im Bildungsgang von zwei Wirtschaftklassen am Beispiel von Ultimate-Frisbee durchgeführt wurden. Die Lernenden haben zunächst in Kleingruppen, dann mit einer anderen Gruppe und schließlich mit der gesamten Klasse verbindliche Regeln entwickelt, um einen Spielfluss und die Beteiligung aller Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen. Damit der Kommunikationsprozess erfolgreich ist, muss man kooperieren und Kompromisse eingehen, um zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen.

Diese beispielhaften Erläuterungen machen deutlich, wie vielseitig und abwechslungsreich der Sportunterricht am Hans-Böckler Berufskolleg ist. Das ist es auch, was den Reiz ausmacht, sich ständig über neue Ideen und eine mögliche Umsetzung im Unterricht zu informieren und auszutauschen.

Autorinnen:

Sarah Gerdemann, StR’ a.P.

unterrichtet die Fächer Sport, BWL, VWL, IW, SAP und Mathematik am Hans-Böckler-Berufskolleg in Marl. Zudem ist sie Klassenlehrerin in einer Wirtschaftsklasse, SV-Lehrerin und Gleichstellungsbeauftragte.

Katrin Schwarz, StR’ a.P.
unterrichtet die Fächer BWR, IW und Sport am Hans-Böckler-Berufskolleg in Marl. Zudem ist sie Klassenlehrerin einer Wirtschaftsklasse.

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Taktikbesprechung beim Basketball

Trampolin zur Wahrnehmungsförderung