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Wirtschaftspsychologie - ein Fach stellt sich vor!

Spätestens seit der Eurokrise ist allen klar: Wirtschaftliche Entwicklungen folgen nicht immer rationalen Überlegungen und vorhersehbaren Ereignissen, sondern sind zu einem nicht zu unterschätzenden Anteil von psychologischen Faktoren abhängig. Diese psychologischen Aspekte sind aber nicht nur unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten wichtig. Auch betriebswirtschaftliche Prozesse sind vom Personal- und Organisationsmanagement bis hin zum Marketing häufig psychologisch motiviert. Der folgende kurze Artikel stellt ein halbjähriges Unterrichtsprojekt in einer Wirtschaftsabiturklasse vor.

Vor dem Hintergrund dieser inhaltlichen Ausrichtung beschloss die Bildungsgang-konferenz im 1. Halbjahr der Jahrgangsstufe 13 das Fach Wirtschaftspsychologie zu unterrichten. Der Schwerpunkt sollte dabei auf die Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie gelegt werden. Gemeinsam mit den Lernenden der Abiturklasse W-AK 13 wurden zu Beginn der Halbjahrs konkrete Inhalte fest in thematisch zusammenhängenden Unterrichtsreihen eingebunden, die zukünftig erarbeitet werden sollten.

Die erste Unterrichtsreihe beschäftigte sich mit „Personalauswahlverfahren“. Was zunächst wie ein trockener Unterrichtsstoff klang, erwies sich aufgrund der Simulation eines Assessment Centers (AC) als ausgesprochen anregend und teilweise herausfordernd. Die vielen praktischen Übungen wurden mit Enthusiasmus durchgeführt und anschließend reflektiert.

Ein weiteres Themenfeld beschäftigte sich mit der „Entscheidungsfindung im Prozess der Berufswahlorientierung“. Da auch hier nicht die Theorie im Vordergrund stehen sollte, prüften die Lernenden die jeweiligen psychologischen Annahmen anhand von kleinen Messungen und Experimenten innerhalb des Kursraums. Auf diese Weise wurde die Herkunft der psychologischen Theorie jetzt erfahrbar und ihre Bedeutung im Prozess der Berufswahlorientierung von den Lernenden nachvollziehbar.

Ein Bonbon war die Konzeption, Durchführung und Auswertung eines wissenschaftlich fundierten Fragebogens zur Messung von Arbeitsmotivation. Hierfür befassten sich die Lernenden im Vorfeld mit einer Anzahl motivationspsycholo-gischen Theorien und Modellen - um schlussendlich selbst in die Rolle eines Motivationsforschers zu schlüpfen.

Einige der sehr interessanten Ergebnisse dieser psychologischen Untersuchung sollen nicht verschwiegen werden. So wurde die zu bewertende Aussage des Fragebogens „Wenn ich mich im Unterricht sehr anstrenge, führt dies auch zu sehr guten Arbeitsergebnissen“ mit der erfreulichen Durchschnittsnote 1,8 und die Aussage „Der erfolgreiche Abschluss meines Bildungsgangs ist für meinen weiteren Bildungs- bzw. Berufsweg relevant“ mit 1,6 bewertet.

Bei der Abschlussreflektion des Fachs Wirtschaftspsychologie stellte die W-AK13 fest, dass man sich z.B. für die Erstellung eines psychologischen Fragebogens im Vorfeld eine Menge Gedanken machen muss, dass selbst komplexe theoretische Aussagen überprüfbar sind und das Fach Wirtschaftspsychologie eine Menge Spaß bereiten kann. So stellte ein Lernender fest: „Eigentlich schade, dass wir so ein interessantes Fach nur vierzehntägig hatten“. Das hört man als Lehrender gern.

Autor:
Florian Brors, StR

unterrichtet Deutsch, Medienproduktion, Psychologie und Wirtschaftspsychologie am Hans-Böckler-Berufskolleg in Marl.

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