Schulgeschichte
So fing es an: Die gewerbliche Fortbildungsschule der Gemeinde Marl
In der Gemeindeversammlung der Gemeinde Marl wurde am 14.Oktober 1905 unter dem Vorsitz von Amtmann Barkhaus und Gemeindevorsteher Stoltenberg verhandelt und beschlossen: "Mit dem 1. April 1906 anfänglich soll in hiesiger Gemeinde eine gewerbliche Fortbildungsschule eingerichtet werden.
Der vorgelegte Entwurf zu dem Ortsstatut wurde genehmigt und das Schulgeld auf 1 1/2 Mark halbjährlich festgesetzt. Von der Bestellung eines besonderen Schulvorstandes soll vorläufig abgesehen werden. Für die Erteilung des Unterrichts wurden folgende Tage und Stunden bestimmt:
- im Sommerhalbjahr: Sonntag von 7.30 bis 9 Uhr und Donnerstag von 4 bis 8 Uhr nachmittags;
- im Winterhalbjahr: Sonntag von 8 bis 9.30 Uhr, Dienstag von 4 bis 6.30 Uhr und Donnerstag von 4 bis 6.30 Uhr nachmittags.
Mit Rücksicht auf die große Ausdehnung der Gemeinde ist es nicht angängig den Sonntag frei zu lassen und den Unterricht ganz auf die Wochentage zu legen."
Der von der Gemeindeversammlung gefasste Beschluss zur Errichtung einer gewerblichen Fortbildungsschule wurde im Antrag des Landrates von Recklinghausen an den Regierungspräsidenten in Münster am 9.4.1906 -G.-Nr.7666 - mit der Bitte um Genehmigung der Ortssatzung, der Schulordnung und des Lehrplanes eingerichtet.
Der Landrat bat gleichzeitig darum, dass der Regierungspräsident beim Minister für Handel und Gewerbe in Berlin die Gewährung einer Staatsbeihilfe erwirken möge". Dies tat der Regierungspräsident am 2.5.1906. Der Minister gab die Genehmigung am 10.7.1906 -J.-No.IV 6377 - und die Bewilligung "von 290 M. Staatszuschuss für 1906 und die Bewilligung "einer einmaligen Zahlung von 80 M. für Lehrmittel".
Der kom. Regierungs- und Gewerbeschulrat Prof. Wolf aus Arnsberg hatte in seiner Beurteilung vom 31.3.1906 geschrieben, dass er keine Einwendungen erhebe gegen den Lehrplan und Stoffverteilungsplan. Dagegen wurde beim Stundenplan von ihm bemerkt,, dass "gemäß Min.Erl. vom 11.12.1903 - IIIb 8927 - der Sonntagnachmittag unter allen Umständen vom Unterricht frei gehalten werden soll".
Das am 14.10.1905 vom Gemeinde-Vorstand beschlossene "Ortsstatut betreffend die gewerbliche Fortbildungsschule in Marl" und die am 13.3.1906 beschlossene "Schulordnung für die gewerbliche Fortbildungsschule in Marl" wurden am 28.7.1906 vom Bezirksausschuss Münster - Nr. 3215 IV - genehmigt. Nach dem zum 1. April 1906 in Kraft getretenen Ortsstatut waren alle "nicht bloß vorübergehend beschäftigten gewerblichen Arbeiter(Gesellen, Gehilfen, Lehrlinge, Fabrikarbeiter) verpflichtet, die hierselbst errichtete öffentliche gewerbliche Fortbildungsschule an den vom Gemeinde-Vorstand festgesetzten Tagen und Stunden zu besuchen und an dem Unterricht teilzunehmen. Die Schulpflicht endigt mit dem Schlusse des Schulhalbjahres, in welchem die Schüler das 17. Lebensjahr vollenden".
Der 1. April 1906 ist der "Geburts-Tag" der Kernschule des berufsbildenden Schulwesens in der Region Marl. Die gewerbliche Fortbildungsschule von 1906 in Marl wurde Kristallisationspunkt für eine sich entwickelnde berufsbildende Schule mit gewerblich-technischen, landwirtschaftlichen, kaufmännischen, hauswirtschaftlich-sozialpflegerischen und sozial-pädagogischen Bildungsgängen.
Sie ist es auch heute noch mit Ausnahme der Landwirtschaft. Auf Antrag der Stadt Marl (Ratsbeschlüsse vom 30.3.1971 und 22.3.1973) genehmigte der Kultusminister NW mit Erlass vom 5.7.1972 zum 1.8.1973 den Eintritt in die Planungsphase der Kollegschule. Aufgrund des Antrags der Stadt Marl genehmigte der Kultusminister NW (Erlass 27.12.1977 -I-A7.37-13Nr.1737/77) den Eintritt in die Vorlaufphase des Kollegschulversuchs für alle Marler Schulen der Sekundarstufe II zum 1. Februar 1978. Am 1.8.1979 wurde die "Städtische Berufs-, Berufsfach-, Fach- und Fachoberschule Marl" in die "Hans-Böckler-Kollegschule der Stadt Marl - Schule der Sekundarstufe II" umgewandelt. Am 1. Januar 1993 wurde die Hans-Böckler-Kollegschule in die Trägerschaft des Kreises Recklinghausen überführt. Mit dem Schuljahr 1993/94 wurde die Berufsschule Haltern Teil der Hans-Böckler-Kollegschule.
Mit dem Schuljahr 1998/99 wurde aus der Hans-Böckler-Kollegschule das Hans-Böckler-Berufskolleg.
